Nabeul: Sturm Harry legt alte Ruinen am Strand frei: Reste von Neapolis?
Der Sturm Harry, der zwischen Montag und Dienstag, dem 20. Januar 2026, mit seltener Heftigkeit über Tunesien hereinbrach, hinterließ weit mehr als nur Überschwemmungen und Sachschäden. An der Küste von Cap Bon im Gouvernorat Nabeul zog ein spektakuläres und unerwartetes Phänomen die Aufmerksamkeit der Einwohner auf sich: ein plötzlicher Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter, der Strände, Straßen und manchmal sogar Wohnhäuser überflutete.
Dieser Vorgang ist in Deutschland unter dem Begriff Sturmflut bekannt, wenn starker auflandiger Wind das Wasser des Meeres auf das Land drückt.
In mehreren Küstenstädten führte dieser Anstieg zu einer plötzlichen Erosion der Küstenlinie. Nachdem sich das Wasser zurückgezogen hatte und der schlimmste Teil des Sturms vorbei war, war es an der Zeit, die Schäden zu begutachten. In Nabeul, der Hauptstadt von Cap Bon, ist die Bilanz an den Stränden schwerwiegend: Sand und Strände wurden weggespült, Deiche wurden beschädigt, Infrastrukturen wurden zerstört. Aber inmitten dieser Szenen der Verwüstung sorgte eine unerwartete Entdeckung für Erstaunen und Neugier.
An den Stränden der Stadt, insbesondere in Sidi Mahrsi, entdeckten mehrere Bürger Überreste von Bauwerken, die bisher verborgen waren und die durch die Gewalt der Wellen freigelegt worden waren. Auf Facebookseiten, die sich mit Nabeul befassen, wurden zahlreiche Videos geteilt, die Steinsäulen, behauene Blöcke und Mauerstücke zeigen, die aus dem Sand ragen, als wären sie aus der Vergangenheit aufgetaucht.

Sehr schnell verbreitete sich unter den Einwohnern die Vermutung, dass es sich bei diesen Ruinen um die antike Stadt Neapolis handeln könnte, eine einst blühende punische und später römische Stadt, die vor fast zweitausend Jahren versunken war. Historikern zufolge wurde ein Teil dieser Stadt durch einen heftigen Tsunami im 4. Jahrhundert n. Chr. zerstört und überschwemmt, der auf ein schweres Erdbeben im östlichen Mittelmeer zurückzuführen war. Seitdem liegt ein Teil der antiken Stadt unter Wasser und Sedimenten vor der Küste und entlang der heutigen Küstenlinie.
Siehe auch: Artikel zum Thema Neapolis
Zwar wurden bei Unterwassererkundungen vor der Küste von Nabeul bereits einige Strukturen entdeckt und von Forschern dokumentiert, doch wäre es außergewöhnlich, wenn Überreste so deutlich freigelegt würden, dass sie direkt durch einen Sturm sichtbar werden. Bislang gibt es noch keine offizielle Bestätigung.
Nun ist es Aufgabe der Teams des Nationalen Instituts für Kulturerbe und der Fachleute, sich vor Ort zu begeben, um diese Strukturen zu identifizieren, ihren Ursprung zu datieren und festzustellen, ob es sich tatsächlich um Fragmente von Neapolis oder um andere alte Bauwerke handelt, die mit der Geschichte der Küste in Verbindung stehen. In der Zwischenzeit erinnern diese Bilder eindringlich daran, wie sehr die Erinnerung an Küstenstädte unter Sand und Meer begraben bleibt, bereit, durch die Launen der Natur wieder zum Vorschein zu kommen.
Zwischen Klimadrama und archäologischer Entdeckung hat der Sturm Harry Nabeul eine eindrucksvolle Begegnung mit seiner eigenen Vergangenheit beschert.
Bilder: Screenshots aus den geteilten Videos
Quelle: Business News

