Place Barcelone: Chronik einer Wiedergeburt im Herzen von Tunis
Zumindest vor dem Hauptbahnhof von Tunis kann man eine positive Veränderung verspüren, dass sich die Stadt verändert. Wo einst Dreck und Unkraut herrschten, erstrahlt der Place Barcelone nun in neuem Glanz. Seine frisch renovierten Springbrunnen, seine Lichtspiele und seine blumengeschmückten Alleen zeugen von einer lang erwarteten Rückkehr: der Rückkehr eines symbolträchtigen Ortes, der seinen Platz im Herzen der Einwohner zurückerobert.
Ein geschichtsträchtiger Ort
Der Place Barcelone existiert noch nicht so lang. Er wurde 1972 im Zuge der Entwicklung des Bahnhofs von Tunis angelegt und sollte ursprünglich als Verbindungsglied zwischen der Modernität der Eisenbahn und dem städtischen Leben dienen. Jahrzehntelang war er ein Treffpunkt: für Familien, die sonntags spazieren gingen, für Pfadfinder in Uniform, die sich um die Brunnen versammelten, für Studenten, die eilig zur Avenue de la Gare eilten.
„Damals kam man hierher, um durchzuatmen“, erinnert sich Ahmed, 68, pensionierter Beamter. „Es gab Schatten, Blumen und vor allem eine Atmosphäre der Freiheit. “
Aber der Platz hat, wie viele andere öffentliche Räume in Tunis, gelitten. Während des „schwarzen Jahrzehnts“ aufgegeben, von Betonierung und seelenloser Stadtplanung zerfressen, verlor er schließlich seinen Glanz. Verrostete Bänke, Straßenlaternen ohne Funktion und wild wucherndes Unkraut vermittelten den Eindruck eines verlassenen und vermüllten Ortes.
Die Herausforderung einer Renovierung
Die Entscheidung, die Place Barcelone zu sanieren, ist Teil eines umfassenden Programms zur Revitalisierung der Grünflächen der Hauptstadt. Offiziell wurden für die Bauarbeiten unter der Aufsicht des Militäringenieurwesens und mit Unterstützung der SNCFT und der Stadtverwaltung 10 Millionen Dinar bereitgestellt.
Sechs Monate Bauzeit reichten aus, um den Ort zu verwandeln. Die Wege wurden als Alleen neu angelegt, ein modernes Bewässerungssystem installiert und neue lokale Pflanzenarten gepflanzt. Die leistungsstärkeren Straßenlaternen strahlen nun ein Licht aus, das das Sprudeln der Brunnen bei Nacht unterstreicht.
„Es ist eine Erleichterung“, sagt Hatem, ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. „Die Einwohner von Tunis wollten einen Platz, der diesen Namen verdient, und nicht nur einen Durchgang zwischen zwei Haltestellen.“

Ein Ort zum Leben, nicht nur zum passieren
Denn der neue Place Barcelone soll nicht nur schön sein, sondern wieder lebendig werden. Es wurden Entspannungsbereiche geschaffen, ein Kinderspielplatz soll entstehen, und Lese- oder Picknickecken sind geplant. Das Ziel ist klar: Der Platz soll zu einem Treffpunkt werden, einem Ort, an dem Familien, Studenten und Berufstätige im Herzen der Innenstadt neue Energie tanken können.
„Wenn ich aus der Vorlesung komme, würde ich mich gerne hier mit meinen Freunden hinsetzen, reden, lesen“, sagt Yosra, Studentin der Naturwissenschaften in Manouba. „Solche Orte haben in Tunis gefehlt.“
Place Mongi Bali, der benachbarte Schmuckkasten
Bis zur offiziellen Eröffnung hatten sich die Einwohner dem benachbarten Platz Mongi Bali zugewandt. Er ist kleiner – etwa 800 m² – aber bereits renoviert und würdigt den ehemaligen Generalführer der tunesischen Pfadfinder. Seine Büste thront über einem sprudelnden Brunnen, umgeben von Blumen und Alleen, in denen Kinder herumtollen.

Für viele Spaziergänger gibt Mongi Bali einen Vorgeschmack darauf, wie Barcelona einmal sein wird: ein sauberer, sicherer und freundlicher Ort. „Es ist schön zu sehen, wie Familien wieder hierherkommen, um sich hinzusetzen, junge Leute Gitarre spielen und Paare Hand in Hand spazieren gehen“, berichtet Leïla, eine Bewohnerin der Innenstadt.
Eine Atempause in der Stadt
Die Place Barcelone ist nicht nur ein städtisches Projekt, sondern hat auch eine starke symbolische Bedeutung. Er befindet sich oberhalb des Bahnhofs von Tunis und am Eingang zur Avenue de la Gare und ist täglich ein obligatorischer Durchgangsort für Tausende von Reisenden. Sein Zustand spiegelte den Zustand der Hauptstadt wider: heruntergekommen, vernachlässigt, dreckig. Ihre Wiedergeburt ist das Zeichen einer umfassenderen Erneuerung.
Die Stadtverwaltung gibt sich damit nicht zufrieden. Nach dem Place Pasteur, der schon wieder in neuem Glanz erstrahlt, soll bald auch der Parc Habib Thameur renoviert werden. Das erklärte Ziel ist es, der Zubetonierung entgegenzuwirken, mehr Grünflächen zu schaffen und Tunis lebenswerter zu machen.
„In der Vergangenheit sind wir knapp einer Katastrophe entgangen“, erinnert sich Ahmed. „Das Zouiten-Stadion und der Belvédère waren durch Immobilienprojekte bedroht… Heute verstehen wir besser, wie wichtig es ist, diese Räume zu schützen.“
Eine Zukunft, die es zu gestalten gilt
Auch wenn der Place Barcelone bereits Neugier weckt, hängt der Erfolg von seiner Pflege ab. Denn die Anwohner befürchten, dass der Platz wieder verfallen könnte. „Das Wichtigste ist nicht nur die Einweihung“, warnt Leïla. „Es geht darum, den Ort lebendig, sauber und überwacht zu halten.“
Die Frage der Aneignung durch die Bürger bleibt also zentral: Werden die Einwohner dabei sein? Werden sich Nachbarschaftsvereine, Familien und Jugendliche dort dauerhaft treffen können?
Im Moment ist die Begeisterung spürbar. Passanten bleiben stehen, beobachten die Lichtstrahlen und machen Fotos. In Ahmeds Augen spiegelt sich eine besondere Emotion wider: „Ich sehe mich selbst in den 1970er Jahren wieder. Nur dass ich heute mit meinen Enkelkindern zurückkommen werde. Und das ist der schönste Sieg.“
Bilder: Präsidentschaft Tunesien
Quelle: Webmanagercenter

