Bau des Staudammes Raghai in Jendouba: Baustelle inspiziert, Zeitplan unter Druck gesetzt
Rund 30 Millionen Kubikmeter Wasser – das ist das Volumen, das der Staudamm „Raghai“ in Ghardimaou im Gouvernorat Jendouba speichern wird. Ein strategisches Projekt, dessen Fortschritt am Freitag bei einem Ortstermin des kommissarischen Leiters der Generaldirektion für Staudämme und große Wasserbauprojekte des Landwirtschaftsministeriums eingehend überprüft wurde.
Der Verantwortliche richtete eine unmissverständliche Botschaft: Die Anstrengungen müssen verstärkt, die Koordination zwischen den Beteiligten verbessert und die vertraglich vereinbarten Fristen eingehalten werden. Vor Ort inspizierte die Delegation die Einrichtung der Baustellenbasis sowie den Zustand der logistischen Ausrüstung, die für den tatsächlichen Beginn der Bauarbeiten erforderlich ist. Außerdem bewertete sie die operative Vorbereitung der Baustelle in Anwesenheit der Führungskräfte der Projektrealisierungseinheit, der Vertreter des mit den Arbeiten beauftragten chinesischen Unternehmens sowie des Zusammenschlusses der Ingenieurbüros, der für die Überwachung und Kontrolle verantwortlich ist, heißt es in einer Mitteilung der Generaldirektion für Staudämme und große Wasserbauprojekte.
Anschließend fand eine Arbeitssitzung vor Ort statt, die der Prüfung des Baufortschritts, der technischen und organisatorischen Aspekte sowie der Identifizierung möglicher Hindernisse gewidmet war. Es wurden praktische Maßnahmen beschlossen, um diese Hindernisse zu beseitigen und die Kontinuität der Arbeiten sicherzustellen.
Die Bedeutung des Projekts geht weit über die Baustelle hinaus. Sobald der Raghai-Staudamm in Betrieb ist, wird er die Bevölkerung der Region mit Trinkwasser versorgen, landwirtschaftliche Flächen bewässern und das Grundwasser wieder auffüllen – drei unmittelbare Hebel für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Gouvernorats, das seit Langem auf eine solche strategische Infrastruktur wartet.
Info
Der Staudamm Raghai (Barrage Raghai oder El Raghaï) ist ein strategisches Großprojekt zur Wasserinfrastruktur in Tunesien, das sich im Nordwesten des Landes in der Delegation Ghardimaou innerhalb des Gouvernorates Jendouba befindet. Nach längeren Verzögerungen durch Enteignungsverfahren starteten die Bauarbeiten offiziell Anfang 2026. Es handelt sich um ein ambitioniertes Infrastrukturprojekt, das vom tunesischen Landwirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit einem chinesischen Bauunternehmen (Sinohydro) realisiert wird.
Das Gesamtbudget beläuft sich auf rund 250 Millionen tunesische Dinar (ca. 75 Millionen Euro). Finanziert wird das Projekt unter anderem durch einen Kredit der deutschen Entwicklungsbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Der Stausee wird eine Fläche von etwa 250 Hektar einnehmen und soll rund 30 Millionen Kubikmeter Süßwasser mobilisieren. Die geplante Bauzeit für das Hauptbauwerk und die dazugehörigen Anlagen (wie Umleitungstunnel und Überläufe) beträgt laut Projektplan 5,5 Jahre.
Die Errichtung des Dammes am Oued Raghai verfolgt im Wesentlichen vier Kernziele für die Region:
- Sicherung der Trinkwasserversorgung für rund 100.000 Einwohner in den umliegenden Städten und Ortschaften wie Ghardimaou, Jendouba, Oued Mliz und Boussalem.
- Der Oued Raghai neigt bei heftigen Regenfällen zu extremen Sturzfluten. Der Damm soll diese Wassermassen regulieren, um Überschwemmungen und die regelmäßige Sperrung wichtiger Verkehrsstraßen zu verhindern.
- Unterstützung der lokalen Landwirtschaft durch die gezielte Bewässerung von Agrarflächen in der fruchtbaren Region Jendouba.
- Nachhaltige Speisung und Stabilisierung des regionalen Grundwasserspiegels.
Das Projekt gilt als elementarer Baustein für die sozioökonomische Entwicklung und die langfristige hydrologische Sicherheit im Nordwesten Tunesiens.
Bild: Symbolfoto Stausee
Quelle(n): La Presse

