Der Mann mit dem Baguette ist tot!
Am 14. Januar 2011, während Tausende Tunesier zur Avenue Habib Bourguiba strömen, kniet ein Mann mitten auf der Fahrbahn nieder. In einer Hand hält er ein einfaches Baguette. Vor ihm rücken die Ordnungskräfte vor. Wenige Sekunden genügen. Ein Fotograf drückt auf den Auslöser. Das Bild wird um die Welt gehen und zu einer der eindrucksvollsten Aufnahmen der tunesischen Revolution werden.
Dieser Mann hieß Abdeljalil Hamdi. Sein Tod, der am Dienstag, dem 30. Juni 2026, bekannt gegeben wurde, erinnert daran, dass sich hinter einer ikonisch gewordenen Fotografie ein gewöhnlicher Mensch verbarg, weit entfernt von politischen Tribünen und heroischen Erzählungen.
Ein Bild stärker als tausend Reden
Die Kraft dieser Fotografie liegt in ihrer Schlichtheit. Kein Slogan ist darauf zu sehen. Nur ein armer Mann, ein Baguette und eine Reihe von Polizisten.
In einem Sekundenbruchteil fasst das Bild zusammen, was Tausende von Reden später zu erklären versuchen werden. Eine Bevölkerung, die einer Macht gegenübersteht, die die Straße noch immer zu kontrollieren scheint, während die grundlegendsten Forderungen – Brot, Würde, soziale Gerechtigkeit – ins Zentrum des öffentlichen Raums rücken.
Fünfzehn Jahre lang hat diese Fotografie Hunderte von Artikeln, Dokumentarfilmen, Büchern und Ausstellungen zur tunesischen Revolution illustriert. Sie wurde zu einer visuellen Kurzform jenes Moments, in dem alles zu kippen schien.
Der Mensch hinter dem Symbol
Abdeljalil Hamdi war weder ein politischer Führer noch ein bekannter Aktivist. Er war einer jener Tausenden anonymen Tunesier, die in den Tagen vor dem Sturz von Zine El-Abidine Ben Ali auf die Straße gingen. Die Fotografie verewigte ihn, ohne dass er jemals versucht hätte, zu einem Symbol zu werden.
Wie so oft bei großen Bildern der Geschichte verschwindet die Person schließlich hinter dem Symbol. Das Foto blieb im kollektiven Gedächtnis, während der Mann sein Leben fernab des Rampenlichts weiterführte.

