Archäologie: Mehr als 2.300 Jahre altes numidisches Wohnhaus in Sidi Saïd dokumentiert
Eine tunesisch-katalanische archäologische Mission hat erstmals den nahezu vollständigen Grundriss eines Hauses aus numidischer Zeit auf dem Fundplatz Sidi Saïd dokumentiert. Der Fundort liegt in der Delegation Bargou im Gouvernorat Siliana. Das Wohnhaus stammt vermutlich aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. oder ist sogar noch älter. Es zählt zu den wichtigsten Entdeckungen der zweiten Ausgrabungskampagne, die vom 16. September bis zum 6. Oktober 2026 stattfand.
Die Arbeiten ermöglichten außerdem, die Untersuchung einer vorrömischen Nekropole mit mindestens 85 Grabmonumenten fortzusetzen. Darüber berichtete das Katalanische Institut für Klassische Archäologie (ICAC) am 28. Oktober in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für Kulturerbe (INP).
Das Haus liegt im Nordosten der Siedlung, in Bereich 3 der Fundstätte. Es besitzt mehrere Räume und eine komplexe Aufteilung. Der Grundriss ist fast vollständig erhalten. Dadurch können Forschende besser nachvollziehen, wie die Wohnräume in dieser alten numidischen Siedlung angeordnet waren. Das Gebäude wurde an die Umfassungsmauer der Siedlung gebaut. Ein weiterer Abschnitt dieser Befestigungsanlage war bereits während der Ausgrabungskampagne 2025 in Bereich 2 dokumentiert worden. Die Archäologen stellten außerdem mehrere bauliche Veränderungen fest, die während der Nutzung am Haus vorgenommen worden waren.
Der Fund liefert neue Hinweise darauf, wie Sidi Saïd als Siedlung angelegt war und in welcher Beziehung die Wohnbereiche zu den Verteidigungsanlagen standen.
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Die Forschungen in Bereich 1, nahe dem Gebiet der präventiven Ausgrabungen von 2017 und 2018, erweiterten zudem das Wissen über Bautechniken, verwendete Materialien und Einrichtungen des häuslichen Alltags, darunter Feuerstellen. Die Archäologen legten außerdem zahlreiche gut erhaltene Gegenstände frei, von denen einige nahezu vollständig sind. Dazu gehören lokal hergestellte Keramik und Keramik karthagischer Machart sowie Gestelle, auf denen Gefäße über dem Feuer abgestellt wurden. Diese Funde geben wertvolle Hinweise auf den häuslichen Alltag und die Kontakte zwischen den Gemeinschaften der Region.
Parallel zu den Ausgrabungen wurden die Erkundungsarbeiten in der Umgebung fortgesetzt. Dort war bei Forschungen im Jahr 2025 eine vorrömische Nekropole entdeckt worden. Die Grabanlage umfasst mindestens 85 Monumente. Ihre Untersuchung soll das Wissen über Bestattungsbräuche und über die Gemeinschaften vertiefen, die in der Antike in diesem Gebiet lebten.
Die Mission ist Teil einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem INP und dem ICAC. Gemeinsam geleitet wurde sie von den tunesischen Forschern Yamen Sghaïer und Chokri Touihri sowie den katalanischen Forschenden Maria Carme Belarte und David Montanero aus der ICAC-Forschungsgruppe MIRMED. Beteiligt waren Forschende, Restauratoren und Studierende aus beiden Ländern. Unterstützung kam von der Palarq-Stiftung.
Die Fundstätte Sidi Saïd wurde bei Arbeiten zur Verbreiterung der Nationalstraße GP4 entdeckt, die El Fahs über Bargou mit Siliana verbindet. Da die Bauarbeiten den südlichen Teil der antiken Siedlung betrafen, fanden dort zwischen Dezember 2017 und April 2018 präventive archäologische Ausgrabungen statt. Diese ersten Einsätze brachten eine relativ komplexe Siedlungsstruktur und eine Befestigungsmauer ans Licht, die vorläufig auf die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. datiert wurde. Sie zeigten außerdem, dass die Überreste gut erhalten waren und der Ort später nicht erneut besiedelt worden war.
Die Ausgrabungskampagnen von 2025 und 2026 präzisierten die zeitliche Einordnung der numidischen Siedlung. Die dokumentierten Strukturen weisen auf eine Nutzung von der zweiten Hälfte des 5. bis zum Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. hin. Die neuen Funde tragen dazu bei, Wohnweise, Befestigungen, materielle Kultur und Bestattungsbräuche der Bevölkerung besser zu verstehen, die vor der Römerzeit in dieser Region lebte.
Titelbild: INP
Textquelle: La Presse

