Tunesien aktualisiert seine bioklimatische Karte angesichts des sich beschleunigenden Klimawandels
Angesichts des sich beschleunigenden Klimawandels hat das tunesische Ministerium für Landwirtschaft, Wasserressourcen und Fischerei die Aktualisierung der bioklimatischen Karte des Landes abgeschlossen. Dieser Schritt wird in Kürze zu einer grundlegenden Überarbeitung der landwirtschaftlichen Anbaukarte und der regionalen Verteilung der Kulturen führen.
Dies erklärte Radhouan Nciri, Generalingenieur und Leiter der Beratungsabteilung am Nationalen Institut für den großflächigen Ackerbau (INGC), am Mittwoch, dem 21. Oktober 2026, gegenüber Mosaïque FM. Anlass war ein nationales Kolloquium, bei dem die Forschungsarbeiten des Instituts zu den verschiedenen Anbaukulturen vorgestellt, die Getreidekampagne 2025/2026 ausgewertet und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit erörtert wurden.
„Der Klimawandel stellt inzwischen eine echte Herausforderung für die Ernährungssicherheit dar. Die derzeitige landwirtschaftliche Anbaukarte entspricht nicht mehr den neuen klimatischen Gegebenheiten“, betonte Nciri.
Die klimatischen Extreme zeigten sich vor allem in zwei Bereichen: bei der Niederschlagsmenge und ihrer ungleichmäßigen Verteilung. Einerseits fallen innerhalb kurzer Zeit große Regenmengen, ohne dass die Niederschläge sämtliche Wachstumsphasen der Kulturen abdecken. Besonders wichtig sind dabei die Frühjahrsregen, die maßgeblich über wesentliche Ertragsmerkmale entscheiden, etwa das Tausendkorngewicht. Andererseits steigen die Temperaturen deutlich an. Zudem nehmen die Unterschiede zwischen den täglichen Mindest- und Höchsttemperaturen erheblich zu. Beides wirkt sich unmittelbar auf die landwirtschaftliche Produktivität aus.
Getreidekampagne 2025/2026: Trotz guter Niederschläge Ertragseinbußen
Nciri zufolge verdeutlicht die Getreidekampagne 2025/2026 diese Entwicklung besonders anschaulich. Obwohl die Niederschlagsverhältnisse insgesamt günstig waren und eine Ernte von elf Millionen Doppelzentnern ermöglichten, blieb das angestrebte Ziel von zwölf Millionen Doppelzentnern unerreicht. Dafür waren mehrere Faktoren verantwortlich: In den halbtrockenen und halbhumiden Regionen kam es im März und April zu Trockenperioden. Hinzu kamen extreme Wetterereignisse wie Hagel und Überschwemmungen in den Gouvernoraten Zaghouan, Le Kef und Siliana. Dort wurden mehr als 200 Hektar Anbaufläche zerstört.
Neue Anbaugebiete und klimaangepasste Kulturen
Der Agrarwissenschaftler erklärte, dass die aktualisierte bioklimatische Karte bereits bei den zuständigen Dienststellen des Landwirtschaftsministeriums vorliegt. Sie werde zeigen, dass bestimmte Regionen aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen künftig nicht mehr für den großflächigen Ackerbau geeignet sind. Dort soll der Anbau deshalb auf andere Kulturpflanzen umgestellt werden, die besser an die neuen klimatischen Verhältnisse angepasst sind.
Diese Anpassung erfordert ein Bündel neuer technischer Maßnahmen. Dazu gehören insbesondere:
- Anpassung der Aussaattermine: Die optimalen Zeitpunkte sollen anhand von Feldversuchen neu festgelegt werden.
- Dürretolerante Getreidesorten: Insbesondere für die empfindliche Endphase des Wachstums sollen widerstandsfähigere Sorten eingesetzt werden.
- Engere Zusammenarbeit mit der Forschung: Die Maßnahmen sollen gemeinsam mit wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen entwickelt und umgesetzt werden.
Nationale Vorstellung der neuen Karte geplant
Nciri kündigte außerdem an, dass das Landwirtschaftsministerium in Kürze den Termin für die Einführung der neuen bioklimatischen Karte bekannt geben werde. Darüber hinaus ist ein nationaler Informationstag geplant, an dem die Ergebnisse der aktualisierten Karte vorgestellt und ihre Auswirkungen auf die künftige landwirtschaftliche Anbauplanung in Tunesien erläutert werden sollen.
Die Überarbeitung soll dazu beitragen, die landwirtschaftliche Produktion stärker an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen und damit langfristig die Ernährungssicherheit des Landes zu stärken.
Foto: Zitrushain im Gouvernorat Nabeul
Quelle: Kapitalis

