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Indischer Getränkeriese Varun Beverages siedelt sich in Tunesien an – Kommt Pepsi zurück?

Die Ankündigung der Ansiedlung von Varun Beverages in Tunesien – einem der weltweit bedeutendsten PepsiCo-Franchisenehmer außerhalb der USA – wirft erneut die Frage auf, ob Pepsi möglicherweise auf den tunesischen Markt zurückkehrt. Das geplante Joint Venture soll zwar Getränke, Wasser, Säfte und Milchprodukte produzieren und vertreiben, doch bislang wird in dem Projekt offiziell keine Marke von PepsiCo genannt. Die Ansiedlung könnte dennoch ein neues Kapitel im Wettbewerb zwischen den beiden weltweit führenden Getränkekonzernen eröffnen.

Die indische Varun Beverages Limited (VBL) bereitet ihre Ansiedlung in Tunesien über ein Joint Venture mit dem tunesischen Partner Bevanda (Tunisia) vor. Das Projekt wurde am 25. August 2026 vom Verwaltungsrat des indischen Konzerns genehmigt. Vorgesehen ist ein Gesellschaftskapital von 9 Millionen Dinar, an dem Varun Beverages 75% und Bevanda 25% halten sollen.

Doch über die Höhe des Kapitals hinaus ist vor allem der angekündigte Tätigkeitsbereich interessant: Die künftige Gesellschaft soll Getränke produzieren und vertreiben, darunter Erfrischungsgetränke, Säfte, Wasser und Milchprodukte. Es handelt sich somit derzeit nicht lediglich um ein Vorhaben zum Import und Vertrieb im Ausland hergestellter Produkte.

Die künftige Gesellschaft soll den Namen Varun Beverages Tunisia SA oder eine ähnliche Bezeichnung tragen, die von den tunesischen Behörden genehmigt wird. Rechtlich gegründet ist sie allerdings noch nicht. In der regulatorischen Mitteilung von Varun Beverages wird darauf hingewiesen, dass die Gründung unter anderem von der vorherigen Genehmigung durch das Nationale Unternehmensregister (RNE – Registre national des entreprises) abhängig ist.

Ein Kapital von 9 Millionen Dinar – aber nicht die Gesamtkosten des Projekts
Die angekündigte Finanzierung ist relativ genau festgelegt. Das vorgesehene Gesellschaftskapital beträgt 9 Millionen Dinar, mit einem Nennwert von 10 Dinar je Aktie und Bareinlagen. Varun Beverages Limited soll 75% des Kapitals halten, was einem theoretischen Anteil von 6,75 Millionen Dinar entspricht. Bevanda hält die verbleibenden 25%, also 2,25 Millionen Dinar. Eine wichtige Klarstellung ist jedoch erforderlich: Die 9 Millionen Dinar entsprechen dem vorgesehenen Gesellschaftskapital und nicht der Gesamthöhe der industriellen Investition.

Das offizielle Dokument enthält derzeit keine Angaben darüber, welcher Betrag für den Bau oder die Einrichtung einer Produktionsstätte, den Erwerb von Anlagen, die Logistik oder den Ausbau des Vertriebsnetzes vorgesehen sein könnte. Auch ein Produktionsstandort wurde bislang ebenso wenig offiziell bekannt gegeben wie die geplanten Produktionskapazitäten oder ein Termin für die Aufnahme der Produktion.

Mit anderen Worten: Das Projekt ist inzwischen weit genug fortgeschritten, um eine klar definierte Kapitalstruktur und einen festgelegten Tätigkeitsbereich zu besitzen. Mehrere wesentliche Eckdaten des industriellen Teils des Projekts müssen jedoch noch konkretisiert werden.

Produktion und Vertrieb: Der entscheidende Punkt des Projekts
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der indischen Ankündigung betrifft gerade die Art der geplanten Geschäftstätigkeit. Die künftige Gesellschaft soll in der Produktion und im Vertrieb von Getränken tätig sein, wobei der Bereich Erfrischungsgetränke, Säfte, Wasser und Milchprodukte umfasst. Diese Ankündigung ist bedeutsam, weil sie das tunesische Projekt von einer reinen Handelsoperation unterscheidet, die auf dem Import fertiger Produkte basiert.

Der indische Konzern scheint somit eine direkt in den tunesischen Markt integrierte Präsenz anzustreben, die von der Produktion bis zum Vertrieb reicht. Die konkreten Modalitäten dieser Ansiedlung sind allerdings noch unbekannt: Die Mitteilung nennt weder die Zahl der möglicherweise entstehenden Produktionsstätten noch deren Standort oder Kapazität.

Erst die nächsten Schritte des Projekts werden zeigen, welche tatsächliche Größenordnung die industrielle Investition erreichen wird.

Auch wenn der Name Varun Beverages der breiten tunesischen Öffentlichkeit bislang relativ wenig bekannt sein dürfte, ist das Gewicht des Unternehmens in der weltweiten Getränkeindustrie erheblich größer.

Der indische Konzern bezeichnet sich selbst als einen der größten PepsiCo-Franchisenehmer weltweit außerhalb der USA. Er arbeitet seit den 1990er-Jahren mit PepsiCo zusammen und hat die von ihm abgedeckten Gebiete sowie sein Produktportfolio kontinuierlich erweitert.

Nach Angaben von Varun Beverages produziert, vertreibt und vermarktet der Konzern eine breite Palette kohlensäurehaltiger und nicht kohlensäurehaltiger Getränke, darunter abgefülltes Wasser unter Marken von PepsiCo. Zum Portfolio gehören je nach Markt unter anderem Pepsi, Pepsi Black, Mountain Dew, Sting, 7UP, Mirinda Orange und Evervess sowie nicht kohlensäurehaltige Produkte wie bestimmte Tropicana- und Gatorade-Produkte und das Wasser Aquafina.

Diese Verbindung zu PepsiCo erklärt zu einem großen Teil das Interesse, das die angekündigte Ansiedlung des Konzerns in Tunesien hervorgerufen hat. Allerdings ist eine wichtige Einschränkung notwendig: Die offizielle Mitteilung vom 25. August über die geplante tunesische Gesellschaft nennt keine einzige PepsiCo-Marke. Sie beschränkt sich darauf, die Produktkategorien zu definieren, die das Joint Venture produzieren und vertreiben darf. Es wäre daher verfrüht zu behaupten, dass Pepsi, 7UP, Mirinda, Mountain Dew oder Aquafina zwangsläufig in Tunesien hergestellt oder vertrieben werden.

Die Rückkehr von Pepsi? Eine Hypothese, die noch bestätigt werden muss
Die Verbindung zwischen Varun Beverages und PepsiCo nährt natürlich Spekulationen über eine mögliche Rückkehr bestimmter Marken des US-Konzerns auf den tunesischen Markt. Diese Perspektive ist umso interessanter, als der tunesische Markt für Erfrischungsgetränke bereits stark strukturiert ist.

Rechtlich muss jedoch zwischen der Beziehung von Varun Beverages zu PepsiCo und dem konkreten Inhalt des tunesischen Projekts unterschieden werden. Der indische Konzern ist tatsächlich ein bedeutender Partner von PepsiCo und produziert mehrere seiner Marken auf verschiedenen Märkten. Eine spezifische Vereinbarung über PepsiCo-Marken in Tunesien wurde in der Ankündigung vom 25. August jedoch nicht veröffentlicht.

Daher gilt derzeit: Von einer „Rückkehr von Pepsi nach Tunesien“ zu sprechen, ist eher eine Hypothese als eine bestätigte Tatsache.

Eine tunesische Ansiedlung im Rahmen der Expansion nach Afrika
Das tunesische Projekt wird verständlicher, wenn man es in die internationale Strategie von Varun Beverages einordnet. Der indische Konzern hat seine Präsenz in Afrika in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Dazu gehören unter anderem Aktivitäten in Marokko, Sambia, Simbabwe, Südafrika und der Demokratischen Republik Kongo. Seine Afrika-Strategie basiert auf dem Ausbau von Produktionskapazitäten und Vertriebsnetzen sowie generell auf einer stärkeren Präsenz in den Verbrauchermärkten.

Insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo hat das Unternehmen seine Präsenz verstärkt und dort 2024 in Kinshasa die kommerzielle Produktion aufgenommen. Gleichzeitig setzt es seine Expansion in mehreren anderen afrikanischen Ländern fort. Die geplante Ansiedlung in Tunesien erscheint somit eher als ein weiterer Schritt dieser geografischen Expansion denn als isoliertes Einzelprojekt.

Ein Coca-Cola-Pepsi-Wettbewerb, der über Tunesien hinausgeht
Die Expansion findet vor dem Hintergrund eines besonders intensiven weltweiten und afrikanischen Wettbewerbs zwischen den beiden historischen Marktführern bei Erfrischungsgetränken statt: Coca-Cola und PepsiCo.

In einer Veröffentlichung, die die Ankunft von Varun Beverages in Tunesien analysiert hat, verwies Hamza Belloumi auf Daten, die weiterhin eine deutliche Dominanz von Coca-Cola auf dem afrikanischen Markt nahelegen. Demnach soll Coca-Cola einen geschätzten Marktanteil von 46,5% besitzen, gegenüber 14,7% für Pepsi. Der Rest entfällt unter anderem auf lokale Marken.

Die Analyse weist jedoch auf eine interessante Entwicklung hin: Coca-Cola soll in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren haben, während Pepsi insbesondere aufgrund von Investitionen in mehreren afrikanischen Märkten zulegen konnte. Die Entwicklung von Varun Beverages fügt sich genau in diese Strategie der Erschließung neuer Märkte ein.

Tunesien: Ein bereits stark umkämpfter Markt
Die mögliche Ankunft eines weiteren internationalen Akteurs würde allerdings nicht auf einen unbesetzten Markt treffen. Im Getränkesektor ist die Société de fabrication des boissons de Tunisie (SFBT) einer der wichtigsten Marktteilnehmer. Der Konzern gehört zu den Marktführern bei Getränken in Tunesien und hält nach Angaben auf seiner Website etwa 80% des nationalen Marktes für Erfrischungsgetränke sowie 25% des Marktes für Mineralwasser. Das Unternehmen ist außerdem in den Bereichen Mineralwasser, Fruchtsaftgetränke, Bier und Wein aktiv.

Auch die Délice-Gruppe ist ein diversifizierter Akteur der tunesischen Lebensmittelindustrie. Ursprünglich auf Milchprodukte konzentriert, ist sie heute in mehreren Kategorien vertreten, darunter Milchprodukte, Säfte und Getränke sowie Wasser. Die Gruppe verfügt insbesondere über einen Getränkebereich, der Säfte und Erfrischungsgetränke umfasst.

Im Milchsektor verfügt Vitalait, über die Centrale laitière de Mahdia, ebenfalls über eine bedeutende Präsenz. Das Unternehmen gibt eine Produktionskapazität von 200 Millionen Litern Milch pro Jahr an. Das Sortiment umfasst unter anderem Milch, fermentierte Produkte, Joghurt, Milchgetränke, Butter und Desserts.

Das Projekt von Varun Beverages weist daher eine Besonderheit auf: Der angekündigte Tätigkeitsbereich umfasst gleichzeitig drei stark umkämpfte Bereiche – Erfrischungsgetränke, Wasser und Milchprodukte – ergänzt um Säfte.

Bevanda, der bislang wenig dokumentierte tunesische Partner
Ein weiteres bislang wenig bekanntes Element ist Bevanda (Tunisia), das 25% des künftigen Joint Ventures halten soll. Das regulatorische Dokument von Varun Beverages identifiziert Bevanda eindeutig als tunesischen Partner, liefert jedoch nur wenige öffentlich zugängliche Informationen über dessen Geschäftstätigkeit, Anteilseigner oder mögliche Infrastruktur, die das Unternehmen in das Projekt einbringen könnte.

Seine Beteiligung an der Konstruktion ist dennoch ein wichtiger Faktor: Varun Beverages plant keine ausschließlich vom indischen Konzern kontrollierte Ansiedlung, sondern hat sich für die Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner entschieden. Offen bleibt, welche konkrete Rolle Bevanda künftig übernehmen wird – insbesondere hinsichtlich des Marktzugangs, des Vertriebs, der Infrastruktur, der Grundstücke oder der Beziehungen zu den verschiedenen Vertriebskanälen.

In einem Markt reicht es nicht, nur zu produzieren
Für Varun Beverages wird die eigentliche Herausforderung nicht allein darin bestehen, über Produktionskapazitäten zu verfügen. Im Bereich der schnelllebigen Konsumgüter basiert der Wettbewerb auch auf Vertrieb, Logistik, Produktverfügbarkeit sowie dem Zugang zu kleinen Einzelhändlern, Supermärkten, Cafés und den verschiedenen Verkaufskanälen. Genau dies könnte die Entwicklung der tunesischen Ansiedlung besonders interessant machen.

Ein neuer Akteur mit der internationalen Erfahrung von Varun Beverages könnte versuchen, ein lokales Modell zu etablieren, das Produktion, Abfüllung und Vertrieb miteinander verbindet und dabei auf einen tunesischen Partner zurückgreift. Der kommerzielle Erfolg wird daher ebenso von den möglicherweise geschaffenen industriellen Kapazitäten abhängen wie von der Fähigkeit des Konzerns, ein wettbewerbsfähiges Vertriebsnetz aufzubauen.

Neue Konkurrenz – aber noch viele offene Fragen
Die Ankündigung vom 25. August 2026 stellt somit die offizielle Einleitung eines Ansiedlungsprojekts dar und nicht den Beginn einer industriellen Tätigkeit. Das Gesellschaftskapital ist auf 9 Millionen Dinar festgelegt, die Kapitalverteilung ist bekannt, der tunesische Partner ist identifiziert und der Tätigkeitsbereich ist definiert.

Mehrere entscheidende Fragen sind jedoch noch offen:

  • Wo werden die Produktionsstätten errichtet?
  • Welche Produktionskapazität werden sie haben?
  • Wie hoch wird die tatsächliche Investitionssumme sein?
  • Wie viele Arbeitsplätze werden geschaffen?
  • Wann wird die Produktion beginnen?
  • Und vor allem: Welche Marken werden tatsächlich in Tunesien produziert oder vertrieben?

Bislang gibt es auf diese Fragen keine offizielle Antwort
Eine Sache steht jedoch fest: Varun Beverages plant keine einfache Vertriebsoperation für importierte Produkte. Das angekündigte Projekt sieht vielmehr eine Produktions- und Vertriebstätigkeit in Tunesien in mehreren Getränke- und Lebensmittelkategorien vor. Sollte das Projekt die verschiedenen regulatorischen und industriellen Schritte erfolgreich durchlaufen, könnte es eine neue Phase im tunesischen Getränkemarkt einleiten – mit dem Eintritt eines internationalen Konzerns, der bereits fest im PepsiCo-Ökosystem verankert ist und eine aktive Expansionsstrategie in Afrika verfolgt.

Grafik: ChatGPT

Quelle (Artikel übersetzt mit Hilfe von KI): La Presse