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Quallenart Portugiesische Galeere vor Bizerté wieder aufgetaucht

Die Portugiesische Galeere ist zurückgekehrt. Sieben Exemplare der Portugiesischen Galeere (Physalia physalis) wurden laut der Vereinigung TunSea für partizipative Wissenschaft kürzlich am Strand von Sidi Mechreg in Bizerte gesichtet. Dieses Vorkommen zeugt von einer in letzter Zeit bemerkenswerten Häufigkeit dieser Art in der Region. Die Portugiesische Galeere, auch Physalia genannt, stammt ursprünglich aus dem Atlantik und gelangt durch Winde und Strömungen an die tunesischen Küsten.

Die erste Sichtung in Tunesien geht auf das Jahr 1992 zurück. Dieser Organismus zeichnet sich durch einen bis zu 30 cm großen Schwimmkörper und giftige Tentakel aus, die eine Länge von 10 bis 30 Metern erreichen können. Die Berührung durch die Tentakel ist äußerst schmerzhaft und kann zu Hautverbrennungen führen. Selbst im toten Zustand bleibt die Portugiesische Galeere bis zu 24 Stunden lang gefährlich. Todesfälle sind jedoch sehr selten. Behörden und Fachleute raten Badenden, die Portugiesische Galeere nicht zu berühren, sich ihr nicht zu nähern und sie bei Sichtung aus der Ferne zu fotografieren, um jegliches Risiko zu vermeiden.

Siehe auch: Quallenart Portugiesische Galeere vor Nabeul gesichtet (Update)

Die Portugiesische Galeere ist eine typische Art von auf der Wasseroberfläche treibenden und mit dem Wind verdriftenden Organismen (Pleuston). Sie findet sich in erster Linie im Pazifik, aber auch vor den Kanaren und vor Portugal. Sie ist zudem in der Karibik verbreitet, etwa vor der Küste Kubas. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Exemplare im Mittelmeer gesichtet, die vom Kanal kommend in Richtung Osten treiben und 2019 vor den Baleareninseln Mallorca und Formentera aufgetaucht sind. Die Inselbewohner nennen diese Quallenart auch „Botella azul“ (dt. blaue Flasche). Auch vor dem Inselarchipel von Malta kam es ab 2018 zu Sichtungen.

Portugiesische Galeere - Foto: Von Jannaraabe - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25378104
Portugiesische Galeere – Foto: Von Jannaraabe – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25378104

Die Bezeichnung hat die “blaue Flasche” durch ihre bläulich schimmernde bis 30 cm messende sackförmige Gasblase (Pneumatophore), die für den Auftrieb sorgt. Bei Gefahr kann das Tier die Gasblase, die mit einem Gemisch aus Sauerstoff und Kohlenmonoxid gefüllt ist, leeren und so innerhalb von Sekunden abtauchen. Zum Schutz vor dem Austrocknen wird das kammähnliche Segel nur bei Wind aufgerichtet. Aus diesem Grund schaukelt die Portugiesische Galeere während ihrer Drift immer wieder von rechts nach links, um sich feucht zu halten. Häufig driften die Tiere in Großverbänden von mehreren tausend Exemplaren, durch die zahlreichen blauen, weißen oder rotvioletten Tentakel, die bis zu 50 Meter lang sind, können die Tiere navigieren. Die zweite Art der Portugisiesischen Galeere namens Physalia utriculus ist kleiner. Die Gasblase misst etwa 3 bis 15 cm, deren Tentakel können eine Länge von 10 m erreichen.

An den Tentakeln finden sich bis zu 1.000 Nesselzellen pro Zentimeter, die ein Giftgemisch aus verschiedenen Proteinen enthalten. Bei Menschen verursacht die Nesselung starke Schmerzen. Auf der Haut hinterlässt der Kontakt mit den Tentakeln rote Quaddeln, die an einen Peitschenhieb erinnern. Die Quaddeln verschwinden erst nach zwei oder drei Tagen, der Schmerz lässt nach rund einer Stunde nach. Das Gift kann jedoch auch die Lymphknoten erreichen, wo es noch größere Schmerzen verursacht. Ein gesunder Erwachsener übersteht „Verbrennungen“ durch die Qualle ohne Lebensgefahr. Bei geschwächten Menschen oder Allergikern besteht die Gefahr eines allergischen Schocks, der tödlich enden kann. Medizinische Ratgeber empfehlen, einen Arzt aufzusuchen, wenn der Schmerz sehr stark ist oder länger anhält, die Wunden sich verschlimmern, wenn Krankheitsgefühle oder Entzündungssymptome auftreten.

Titelbild & Text: Association TunSea pour la Science Participative