Mahdia boomt, Tunis und der Süden schwächeln: Tourismusjahr 2026 mit deutlichen Unterschieden
Von Januar bis August 2026 bleibt die Gesamtzahl der Besucher weitgehend stabil. Die Zahl der Hotelübernachtungen und die Auslastung der Hotels gehen jedoch zurück. Nach aktuellen Daten des tunesischen Ministeriums für Tourismus und Handwerk verzeichnete Tunesien von Januar bis August 2026 insgesamt 7.124.754 Einreisen nichtansässiger Personen.
Das entspricht einem Rückgang von 0,5% gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025. Gleichzeitig liegt dieser Wert 13,2% über dem Niveau von 2019. Nach Angaben des Nationalen Tunesischen Fremdenverkehrsamtes (ONTT) entwickelt sich die Hotellerie allerdings weniger günstig als die Besucherzahlen insgesamt.
Die Maghreb-Staaten stellen 50,1% aller Einreisen, verzeichnen jedoch einen Rückgang von 4,2%. Die Zahl der Einreisen aus Libyen sank um 11,4% auf 1.376.694. Algerien bleibt mit 2.130.510 Einreisen und einem leichten Plus von 0,8% der wichtigste Herkunftsmarkt Tunesiens.
Aus Europa wurden insgesamt 2.287.008 Einreisen registriert. Das entspricht einem Anstieg von 3,1% und einem Anteil von 32,1% an der Gesamtzahl.
Die Zahl der französischen Besucher stieg um 4,4% auf 839.385, die der Briten um 10,9% auf 333.477. Damit liegt der britische Markt mehr als doppelt so hoch wie 2019. Auch die Zahl der deutschen Besucher nahm um 4,4% zu, die der Spanier um 11,1% und die der Türken um 16,0%. Die Zahl der russischen Besucher erholte sich kräftig und stieg um 42,2%, liegt aber weiterhin 93% unter dem Niveau von 2019.
Mehrere europäische Herkunftsmärkte verzeichneten dagegen deutliche Rückgänge: die Niederlande (-21,9%), Irland (-21,9%), Bulgarien (-24,9%), Ungarn (-18,9%) und Slowenien (-24,4%).
Die Zahl der Einreisen tunesischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz im Ausland stieg um 5,0% auf 1.091.121.
Hotelübernachtungen und Auslastung rückläufig
Die tunesischen Hotels registrierten insgesamt 18.577.306 Übernachtungen. Das sind 2,4% weniger als im Vorjahreszeitraum und 11,6% weniger als 2019.
Die durchschnittliche Hotelauslastung sank auf 42,7%. Im Vergleich dazu hatte sie 2025 noch 44,7% und 2019 sogar 48,6% betragen. Gleichzeitig stieg die durchschnittlich verfügbare Bettenkapazität um 2,3% auf 179.097 Betten.
Die vorläufigen Zahlen der Hotelankünfte belaufen sich auf 4.468.974, was einem Rückgang von 1,0% entspricht.
In mehreren Regionen steigen die Ankunftszahlen, während die Übernachtungen zurückgehen. In Sousse nahmen die Ankünfte beispielsweise um 4% zu, während die Übernachtungen um 4% sanken. In Nabeul-Hammamet stiegen die Ankünfte um 2,9%, wohingegen die Übernachtungen um 6% zurückgingen.
Diese Entwicklung könnte auf kürzere Aufenthalte hindeuten. Das ONTT könnte diese Vermutung anhand der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer überprüfen.
Mahdia und Monastir liegen vorn, Tunis und der Süden unter Druck
Mahdia gehört zu den Gewinnern der bisherigen Tourismussaison. Die Zahl der Hotelübernachtungen stieg dort um 13,8% auf 1.140.810. Die Ankünfte legten um 8,6% zu. Gleichzeitig verbesserte sich die Hotelauslastung von 56,2% im Jahr 2025 auf 61,5%.
Auch Monastir-Skanès entwickelte sich positiv: Die Zahl der Übernachtungen stieg um 2,8%, die der Ankünfte sogar um 8,9%.
Djerba-Zarzis bleibt mit 4.869.813 Übernachtungen trotz eines Rückgangs von 2,3% die führende Tourismusregion Tunesiens. Unter den großen Badeurlaubsregionen weist das Gebiet mit 64,4% zudem die höchste Hotelauslastung auf.
Ganz anders sieht die Lage in Tunis und an der Küste von Karthago aus. Dort gingen die Übernachtungen um 11,2% und die Ankünfte um 6,9% zurück. Die Hotelauslastung beträgt lediglich 21,9%.
Am stärksten betroffen sind die südlichen Regionen Tunesiens:
- Kébili-Douz: Rückgang der Übernachtungen um 31,4 % und der Ankünfte um 32,3 %.
- Tataouine: Rückgang der Übernachtungen um 19,6 % und der Ankünfte um 23,7 %.
- Gabès: Rückgang der Übernachtungen um 20,4 %.
Mehr Besucher, aber weniger Hotelübernachtungen
Während die Einreisen nach Tunesien insgesamt 13,2 % über dem Niveau von 2019 liegen, bleiben die Hotelübernachtungen 11,6 % darunter. Diese Diskrepanz dürfte teilweise auf die große Bedeutung der Besucher aus den Maghreb-Staaten zurückzuführen sein. Viele von ihnen übernachten außerhalb des klassischen Hotelgewerbes, beispielsweise bei Verwandten oder in privaten Unterkünften.
Damit stellt sich eine zentrale Frage für den tunesischen Tourismussektor: Wie lässt sich die steigende Zahl der Besucher besser in Hotelübernachtungen und höhere Tourismuseinnahmen umwandeln?
Titelbild: Symbolfoto – Mahdia aus der Luft
Quelle: La Presse

